Ausmisten auf hohem Niveau

Ihr Lieben,

kennt ihr das auch: Lauter Stoffreste im Schrank aus denen man ja ‚bestimmt irgendwann nochmal was nähen kann wenn dann bestimmt ganz bald das passende Projekt kommt‘. 

Jaja. Mein Schrank ist voll solcher Stoffleichen. Irgendwie schaffe ich es immer wieder viel zu viel Stoff für meine Projekte zu kaufen. Meine Devise beim shoppen: besser zu viel als zu wenig (denn stellt euch vor ihr wollt ein Kleid aus dem Stoff nähen in den ihr euch unsäglich verliebt habt und dann reicht er nicht aus! Horror!)

Ok, ich gebe zu – das hier fällt wohl unter die Kategorie ‚Luxusprobleme‘.

Bei einem meiner regelmäßigen Flickr Durchforstungsmomente stieß ich vor Kurzem auf die Lösung meines Problems:

Das Tiny Pocket Tank

Wenig Stoffverbrauch, einfach und schnell zu Nähen, passend für die verschiedensten Stoffarten und voller Potential für verschiedenste Variationsmöglichkeiten. Perfekt!

Mein erstes Tiny Pocket Tank nähte ich aus Stoffresten des schönen Seidenstoffes den ich auch für eins meiner Myrtle Kleider verwendet hatte. Hier das Ergebnis (leider sind die Fotos nicht so toll geworden):

TPT1 vorne TPT1 hinten

Den Saum habe ich mit meinem neuen Rollsaumfuß genäht. Leider dreht sich der Saum etwas ein und man sieht somit an manchen Stellen die linke Seite des Saumes. Das Problem habe ich oft bei Rollsäumen. Wisst ihr wie man das am besten umgehen kann?

TPT1 Saum

Besonders gelungen finde ich den Ausschnitt der wunderbar flach aufliegt. Problematisch hat sich dagegen die keine Tasche gestaltet. Mein Stoff war sehr rutschig und die Tasche liegt direkt auf der Brust wodurch sie irgendwie total schief aussieht. Ich habe recht lange daran gesessen und verzweifelt versucht, sie gerade und ordentlich aufzunähen.

TPT1 closeup     TPT1 ausschnitt

Die Reaktion meines Freundes darauf war wie folgt:

Er: ‚Ist das eine TASCHE???‘

Ich: ‚Ja…‘

Er: ‚Wieso?‘

Ich: ‚Zur Deko. Das ist der Clou des Tops…‘

Er: ‚Sieht total komisch aus!‘

Soviel dazu. Ich habe sie trotzdem drangelassen, da ich das Top sonst eher etwas langweilig finde. Seitdem suche ich auch regelmäßig nach Gelegenheiten die Tasche zu gebrauchen und somit deren Nützlichkeit gegenüber meinem Freund unter Beweis zu stellen. Bisher konnte ich sie zur Aufbewahrung folgender Artikel verwenden:

Fahrkarten

Einkaufsmarken

Kleingeld

Haarspangen

Haargummis. 

Okay ich gebe zu, besonders sinnvoll ist sie nicht. Das Top finde ich aber sehr bequem und alltagstauglich und ich habe es schon viel getragen.

Aus diesem Grund entschied ich mich also es direkt nochmal zu nähen und mich weiterer Stoffreste zu entledigen. Besonders gelegen kam mir dabei ein Stoffrest eines meiner Hazel Kleider. In der Originalversion stellte ich es mir jedoch wirklich langweilig vor und daher nahm ich all meinen (vom Erfolg des Pullovers erworbenen) Mut zusammen und entschied mich eine weitere Schnittmusteränderung vorzunehmen.

Mein Ziel:

Ein Tiny Pocket Tank ohne Pocket und mit einer Knopfreihe vorn

Klingt eher nicht so einladent, ein galanterer Name muss dringend her.

Das Tiny Pocket Tank besteht in seiner Urform aus einem Vorder- und einem Rückenteil, welche am Stoffbruch ausgeschnitten werden. Da man für das Tiny Knopf Tank (besser, oder?) zwei Schnittteile für das Vorderteil benötigt, musste also nur das Vorderteil abgeändert werden.

Als Vorlage für die Knopfreihe nahm ich mir ein Hemd. Das hatte eine 2.5cm breite Knopfreihe auf beiden Seiten, die je 2 mal umgeschlagen wurde. Für mein Tiny Knopf Tank entschied ich mich für eine nur 2cm breite Knopfreihe (2x umgeschlagen = 4cm extra).

Da die zwei Knopfreihen jedoch auch übereinander und nicht nebeneinander liegen müssen, addierte ich nochmal 2 cm (4cm umgeschlagen + 2m Überlappung = 6cm extra).

Hier das Ganze nochmal in Bildform:

 TKT Schnittmuster          TKT closeup

Auch das Schnittmuster für das Schrägband am Ausschnitt musste ich abändern, da der Ausschnitt aufgrund der Knopfreihe nicht mehr durchgängig war. Dazu halbierte ich das Schnittmuster und addierte 2cm (für die Knopfreihe) und nocheinmal 1cm (zum Umschlagen des offenen Endes).

TKT Schrägband

Könnt ihr mir folgen?

So sahen dann die fertigen Schnitteile aus:

 TKT Schnitteile      TKT Schnittteil hinten

Als nächstes schlug ich die Knopfleisten um, steppte sie fest und nächte die Seiten und Schulternähte wie gewohnt.

 TKT Knopfleiste      TKT

Dann brachte ich das Schrägband an den Armen wie gewohnt an. Die 2 Schrägbandteile für den Ausschnitt nähte ich zusammen und brachte diese ebenso an.

Hier seht ihr, wieso ich 2cm für die Knopfleiste und dann nochmal 1cm zum Umschlagen für das offene Ende addiert habe:

TKT Schrägband festgenäht

Dann musste ich nur noch den Saum umnähen (diesmal ohne Rollsaum) und die Knöpfe befestigen. Das fertige Ergebnis:

TKT fertigTKT fertig hintenTKT Ausschnitt  TKT Knöpfe TKT links Knopf obenTKT Schulter links

Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit dem fertigen Ergebnis. Die Knopfreihe macht das Top interessanter, der Stoff fällt schön und der Ausschnitt liegt flach auf. Jetzt habe ich sozusagen ein neues Schnittmuster und kann noch viele weitere Tops (etwas, was ich wirklich dringend benötige) aus meinen verbleibenden Stoffresten nähen. Mehrfach getragen habe ich dieses Oberteil auch schon. Also: ein voller Erfolg.

Als nächstes probiere ich mich vielleicht mal an dieser Version des TPT.

Was meint ihr? Top oder Flop?

Vielleicht konnte ich ja den/die ein oder andere/n motivieren auch ein Tiny Pocket Tank oder sogar ein Tiny Knopf Tank nachzunähen?

Ich hoffe es gefällt euch und ich freue mich schon auf eure Kommentare!

Liebe Grüße und happy sewing!

Eure SewReal

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4 Kommentare zu “Ausmisten auf hohem Niveau

  1. Hi SewReal, toll wie Du das mit der Umänderung des Schnittmusters hinbekommen hast! Das Top mit Tasche finde ich einen Tick cooler, lässiger. Mit welcher Maschine nähst Du Den Rollsaum? Welchem Füsschen? LG, Julielovesbeauty

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    • Liebe Julie,

      ich danke dir. Ich nähe seit Kurzem mit der Brother Innov-is 20 und dem dazu passenden Brother Rollsaumfuß. Zuvor hatte ich eine alte Singer, da hatte ich das selbe Problem. Vielleicht ist es ja auch einfach Übungssache! 🙂

      Liebe Grüüße

      Gefällt mir

  2. Pingback: What’s on my sewing table? | SewReal

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